Jan 18, 2014 - Bolivien    2 Kommentare

La Paz – die Stadt mit 1000 Höhenmetern Unterschied

Eigentlich planten wir von Puno aus weiter nach Copacabana zu gehen, der bolivianischen Seite des Titicacasees. Roger unser Guide riet uns jedoch davon ab. Er meinte, dass die Isla del Sol zwar die Grösste auf dem Titicacasee sei, sie jedoch sehr touristisch ist und nur noch wenige alte Traditionen vorhanden seien. Copacabana selbst sei vor allem touristisch. Als entschieden wir Zeit einzusparen und von Copacabana direkt weiter nach La Paz zu fahren. Die Anfahrt nach La Paz war wirklich atemberaubend. Zuerst durchquert man die „Vorstadt“ von La Paz, genannt El Alto. El Alto ist jedoch mittlerweile massiv grösser als La Paz selbst und auch der Flughafen von La Paz liegt in El Alto. Plötzlich sieht man dann von oben einen riesigen Kessel in dem sich La Paz befindet. La Paz weißt vom untersten Punkt der Stadt bis zum höchsten Punkt bei El Alto einen Höhenunterschied von 1000m auf. Dies führt dazu, dass es zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Stadt eine beträchtliche Temperaturdifferenz von ca. 6°C gibt. Grundsätzlich gilt, je ärmer die Leute, desto weiter oben in der Stadt leben sie. Dies führt dazu, dass die ärmeren Menschen auch mehr mit der Höhenkrankheit zu kämpfen haben. Da wir planten Weihnachten in La Paz zu verbringen, stiegen wir diesmal in einem grossen Hostel (Hostel Loki) im Stadtzentrum ab. La Paz ist eine geschäftige, extrem verkehrsreiche und laute Stadt. Eine der Hauptattraktionen der Stadt ist der „Hexenmarkt“, auf welchem man so ziemlich für alles ein „Heilmittel“ kaufen kann.  Etwas eklig sind die getrockneten Lamaföten, welche an jedem Stand hängen. Diese werden der Pachamama (Mutter Erde) geopfert um zum Beispiel kranke Menschen zu heilen. Abgesehen von Kräutern und Heilmitteln, kann man hier auch jede Menge bolivianische Accessoires wie zum Beispiel Handtaschen, Tücher und so weiter kaufen. Auch die weltberühmten, warmen Alpacakleider findet man an jeder Strassenecke. Fragt man die Händler besteht alles aus 100%-iger Babyalpacawolle. Jedoch ist Vorsicht geboten. Die Wolle von Babyalpacas darf nur bei der ersten Schärung des Alpacas so genannt werden. Wir hatten zum Glück in Peru einen kleinen Crashkurs wie man echte Ware von falscher unterscheiden kann. So deckten wir uns und unsere Familien mit warmen Alpacakleider ein. Zum Glück hatten wir Simon bei uns sonst müssten wir jetzt wahrscheinlich einen Privatjet zulegen um weiterreisen zu können ;-) .  Am 24. Dezember fuhren wir dann die „Death Road“, eigentlich Yungas-Strasse genannt. Sie führt von La Paz nach Coroico und ist 56 km lang. Sie gilt wegen den extrem häufigen Todesfällen beim Bau der Strasse und der Fahrt darauf als die gefährlichste Strasse der Welt und wird deshalb „el camino de la muerte“, also „Death Road“ genannt. Sie wurde 1930 erbaut und war lange Zeit eine der wenigen Strassen, welche den Regierungssitz La Paz mit dem bolivianischen Amazonas-Regenwald verbindet. 2006 wurde dann eine gut ausgebaute neue Strasse eröffnet, wodurch die Death Road seltener von Autos befahren wird. Heute kann man diese Strecke mit verschiedenen Anbietern mit einem Downhillbike befahren. Genau das Richtige für einen ersten Weihnachtstag dachten wir uns. Der Start der Route liegt auf ca. 4700m über Meer. Dort wurden wir mit Bikes und Helmen ausgerüstet und dann ging es los. Zuerst führte die Route ca. für 24 km über eine asphaltierte, mit Autos befahrene Strasse. Wir hatten das „Glück“, dass uns dichter Nebel die Sicht versperrte und es extrem kalt war. Als ob das noch nicht genug gewesen wäre, begann es zu hageln. Sehr lustig. Schon fast erfroren erreichten wir dann den eigentlichen Startpunkt der Death Road. Von dort aus ging es dann für 56 km den Berg hinunter (wie die Fotos zeigen, ist eine Abkürzung wirklich nicht zu empfehlen). Auf der Death Road gilt die Regel, dass bergabwärts fahrende Autos und Fahrräder links fahren müssen. Dies deshalb, da der Fahrer am Abgrund sein Rad sehen muss um nicht den Abhang hinunter zu stürzen. Dies bedeutete also, dass wir bei Nebel direkt am Abgrund fahren mussten. Zum Glück lichtete sich der Nebel ziemlich schnell und wir konnten etwas sehen. Eine Australierin aus unserem Team meinte, der Nebel sei ihr lieber gewesen, da hätte sie den Abgrund noch nicht gesehen. Die Strasse ist einspurig und meist ohne Leitblanke. Laut unserem Guide gab es bis ca. 2006 etwa 300 Tote pro Jahr auf dieser Strecke. Der schlimmste Verkehrsunfall ereignete sich 1983, als ein Bus mit 100 Passagieren von einem Fussballspiel zurück fuhr und den Abhang hinunter stürzte. Dieser Unfall ereignete sich an der schmalsten und gefährlichsten Stelle der Strasse, an der die Strasse gerade mal so Breit wie ein Auto ist und unter Wasserfällen hindurch führt. Unzählige Kreuze säumen die Strasse, was uns schon ein wenig nachdenklich machte. Vor allem gefährlich war die Strasse wegen ihrem grossen Verkehr. Das Kreuzen auf der Strecke ist bis auf ein paar Ausnahmen praktisch unmöglich. Lastwagen, welche viel zu gross und zu schwer für die schmale Strasse am Abgrund waren, führten zu massiven Strassenschäden. Heute wird die Strasse fast nur noch von Mountainbikern und den begleitenden Bussen befahren. So gibt es kaum Gegenverkehr und nur noch wenige Unfälle. Die steinige Strasse führt durch Wasserfälle und Flüsse. Auf dem ganzen Weg hat man eine unglaubliche Aussicht und wenn man den Anweisungen des Guides folgt und die Sicherheitsabstände zu anderen Fahrern einhält ist die Strecke mit dem Fahrrad ziemlich ungefährlich. Uns hat die Abfahrt allen sehr gut gefallen. Auch Simon als Mountainbike-Neuling fand es superJ. Am Ziel bekamen wir ein kaltes Bier und etwas zu Essen zur Stärkung. Leider entschied dann unser Fahrer des Busses, statt der neuen Strasse, den kürzeren Rückweg über die Death Road zu nehmen. So locker die Strecke mit dem Bike auch war, im Bus war es dann plötzlich nicht mehr ganz so lustig. Vor allem weil man aus dem Fenster keine Strasse, sondern nur den Abgrund sah. Das ganze unterstützte dann unser Guide noch mit Horrorgeschichten, welche er zu jedem einzelnen Kreuz erzählte. Einzelheiten sparen wir uns für später aufJ. Jedoch war unser Fahrer gut und wir überlebten an diesem Tag die Death Road zwei Mal. Zurück in La Paz feierten wir unser überleben mit einer guten Flasche Wein und einem Jack Daniels Steak. Am nächsten Morgen früh ereignete sich dann die Geschichte mit „Pipi-Sam“. Wir erwachten um ca. 5 Uhr morgen als wir ein Plätschern in unserem Zimmer hörten. Verschlafen machten wir das Licht an und entdeckten Sam unseren (besoffenen) australischen Zimmergenossen beim urinieren in den Papierkorb, auf den Boden und auf seine Kleider. Ja er schwankte ziemlich dabei, weshalb der Radius seines Sees ziemlich gross ausfiel! Als wir ihn ansprachen, erschrak er, und ging zurück ins Bett (welches danach auch durchnässt war). Der gute Sam muss viel getrunken haben. Also holte Thomas erstmals den Sicherheitsmann, während dem ich Sam aufweckte und ihm klar machte, was wir von ihm halten. (Ich muss zugeben es fiel mir schwer freundlich zu bleiben, da er mit seiner Nässungsaktion auch meinen Rucksack und meine Sportschuhe getroffen hatte. Wenigstens konnte ich mein Vocabular von englischen Fluchwörtern mal so richtig gebrauchenJ.) Danach entschuldigte Sam sich im Sekundentakt, sagte „shit, sorry, not again, usw.“, packte alle seine Sachen (ja genau, er packte seine durchnässten Kleider in Seinen Rucksack mit trockenen Kleidern), entschuldigte sich nochmals und ging. Sein Geld blieb am Boden liegen und seine Schuhe im Bett und wir konnten weiter schlafen. Am nächsten Morgen meldeten wir den Vorfall an der Rezeption. Aber sonderlich überrascht schien keiner zu sein. Uns solls recht sein, solange Pipi-Sam nicht mehr in unserem Zimmer Pipi macht. Am Abend fand dann das grosse Christmas-Dinner mit Truthan statt. Obwohl wir ohne unsere Familien keine wirkliche Weihnachtsstimmung hatten, war es ein echt toller Abend mit tollen Leuten. Nach dem wir Pipi-Sam nochmals angesprochen hatten entschuldigte er sich nochmals bei uns und es stellte sich heraus, dass die Geschichte bereits im ganzen Hostel bekannt war. Pipi-Sam war danach auch sehr verantwortungsbewusst. Er erklärte uns, dass er jetzt nur noch Vodka mit Wasser trinke, damit er nicht dehydriert werde und so etwas nochmals geschehe. Naja Australier eben, diese Logik soll mal einer verstehen. Wir verbrachten noch einige gemütliche Tage in La Paz bevor wir den Bus nach Tupiza nahmen.

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2 Kommentare

  • die velo gshend sogar na bruchbar us. :-)

    • Sind Kona Bikes gsi! Bremse sind gange:-) zuestand sus isch nid so schlecht gsi für Bolivie.

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