Jan 18, 2014 - Peru    kein Kommentar

Titicacasee

Nach einer interessanten Fahrt erreichten wir dann Puno. Puno selbst ist unserer Meinung nach hässlich. Zwar nicht ganz so hässlich wie seine Nachbarsstadt Juliaca, welche wirklich wirklich sehr schlimm ist, aber trotzdem nicht schön. Vor allem ist Puno extrem touristisch. Ca. 80% der Bevölkerung aus Juliaca verdienen ihre Brötchen mit Schmuggeln von und nach Bolivien. Die Bevölkerung von Puno schmuggelt zwar auch gerne, jedoch ist das Hauptstandbein der Tourismus. In Puno buchten wir einen Trip mit Roger (unserem Guide von Edgar Adventure) auf den Titicacasee um zu sehen, wie die Leute dort auf den Inseln leben. Zuerst besuchten wir die Islas Flotantes, auf welchen die Uros wohnen, ein Ur-Volk des Titicacasees. Heute gibt es noch ca. 2000 Uros auf rund 50 schwimmenden Inseln. Sie bauen diese Inseln aus dem Totora Schilf, wobei sie immer wieder kreuzweise neues Schilf nachlegen müssen, damit sie nicht unter gehen. In der Regenzeit ca. einmal im Monat und in der Trockenzeit einmal in zwei Wochen. Dazu müssen sie zuerst alle ihre Hütten verschieben. Ziemlich umständlich das Ganze. Die Bewohner einer Insel, das sind vier Familien, demonstrierten uns ihr Handwerk und wie sie die Inseln bauen. Würde kein Tourismus bestehen, gäbe es dieses Volk nicht mehr, doch durch die Touristen können sie sich im wahrsten Sinne des Wortes gut über Wasser halten. Jedoch haben viele der Inselbewohner Probleme mit Artritis und Rheuma, wegen den eisigen Temperaturen und den schlechten Wohnbedingungen, was das Leben auf den Inseln nicht gerade attraktiv macht. Die meisten Kinder ziehen von den Inseln weg. Roger sagt, niemand weiss was in 10 Jahren mit den Inseln geschehen wird. Danach fuhren wir mit dem Boot zur Insel Amantani  wo uns Roger eine Familie zum Übernachten suchte. Wir wurden herzlich von Regina und ihren zwei Kindern empfangen und durften sogleich beim Kartoffelnschälen helfen. Sie war sehr zufrieden mit uns. Sie meinte sie hätte schon viel langsamere Kartoffelschäler beherbergt. Die Bewohner der Inseln bauen für sich selbst Kartoffeln, Oca und Quinoa an. Die Männer der Inseln arbeiten meist auf der anderen Seite der Insel. Zur Zeit gibt es ein Projekt welches ermöglichen soll das Wasser des Titicacasees als Trinkwasser zu verwenden. Dies ist bis heute auf Amantani nicht möglich, da das Wasser immer noch Salz enthält. Das Wasser heute kommt von Quellen auf den Inseln. Hauptsächlich jedoch leben die Menschen auf Amantani ebenfalls vom Tourismus. Timmy der kleine Sohn von Regina brachte uns zusammen mit unzähligen Kübeln zur Wasserquelle, wo wir Wasser für das Essen usw. holen konnten. Als wir seinen Kessel tragen wollten (er war fast so gross wie er selbst, mit seinen vier Jahren) war er richtig enttäuscht. Also gaben wir ihm den Kessel voll Waser zurück und er lief fröhlich zum Haus zurück. Dort trafen wir dann Milgred, die 5 Jährige Tochter von Regina beim Putzen. Unglaublich was Kinder in diesem Alter leisten können. Nach einem feinen Mittagessen mit einer doppelten Portion Kohlenhydrate (wie so üblich in Peru) spielten wir Fussball mit Timmy und Milgred. Ok, wir sind ehrlich, Timmy und Milgred rannten und wir keuchten. Fussball auf 4000m über Meer ist nicht ohne, auch nicht mit 4 und 5 Jährigen J. Am Abend liefen wir zum Gipfel auf 4200m der Insel um den Sonnenuntergang zu sehen. Beim Abendessen fanden wir heraus, dass Regina und ihr Mann im gleichen Alter wie wir sind. Dies machte uns schon ein wenig nachdenklich, da sich unsere Leben so vollkommen voneinander unterscheiden. Am nächsten Tag nach einem klassischen Frühstück auf Amantani mit frittiertem Brot ging es dann weiter nach Isla Taquile. Diese Insel ist bekannt als diejenige Insel auf der Männer stricken. Jede Person auf dieser Insel muss perfekt stricken können, sonst muss er oder sie die Insel verlassen. Die Männer auf der Insel tragen verschiedene Hüte, je nach dem ob sie single, verheiratet oder das Oberhaupt der Insel sind. Diese Hüte müssen sie selber stricken. Bevor sie heiraten testet die Frau den Hut. Sie schüttet Wasser hinein und wartet wie schnell es heraussickert oder hält den Hut gegen das Licht. Ist der Hut perfekt genug ist der Mann bereit zum heiraten. Sonst heisst es „keep practicing“ ;-) . Auf der ganzen Insel wird alles von Hand gemacht. Es gibt zum Beispiel auch keine Esel. Alles wird von Hand getragen. Wer Hilfsmittel verwendet, wird als faul erachtet und hat die Insel zu verlassen. Die Traditionen auf dieser Insel sind unheimlich interessant aber auch gewöhnungsbedürftig. Nach einem ausgiebigen Mittagessen mit einer Regenbogenforelle aus dem Titicacasee gingen wir mit dem Boot zurück nach Puno. Peru ist ein Land mit einer Interessanten Geschichte und vielen spannenden Traditionen. Von hier aus ging es per Bus weiter nach La Paz.

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