Apr 25, 2014 - Kolumbien    kein Kommentar

Kolumbien

Eine der besten Entscheidungen welche wir in den letzten 4 Monaten getroffen haben, war mit Sicherheit diejenige, spontan nach Kolumbien zu reisen. Wir sind begeistert von der abwechslungsreichen Natur, den netten Leuten (ausser einer Person, dazu später mehr) und dem Leben in Kolumbien. In Cartagena im Hostel trafen wir per Zufall eine Schweizerin welche am nächsten Tag nach Bolivien weiter reiste. So schnell hatten wir einen Reiseführer aufgetrieben und dann erst noch auf Deutsch. So verbrachten wir die ersten Tage in Cartagena mit Sightseeing, entspannen und planen. Cartagena ist eine schöne, farbige und fröhliche Stadt an der kolumbianischen Karibikküste. Von Cartagena aus fuhren wir mit dem Bus einige Stunden weiter nördlich in Richtung Santa Marta, nach Taganga. Per Zufall hatte Thomas im Hostel in Cartagena eine Visitenkarte von Reto Müller, Dive Instructor aus Winterthur, entdeckt (www.divetaganga.com). Den Farben Rot, Weiss sei dank, sonst hätten wir Retos Visitenkarte garantiert nicht gesehen. Und noch zufälliger hatte Reto gerade Zeit für den PADI Tauchkurs. Ebenfalls wurde uns ein günstiges Zimmer angeboten, wo Reto wohnte. Mit Reto haben wir wohl den besten Tauchlehrer erwischt, den man sich wünschen kann, denn der Aufenthalt bei ihm in Taganga war mehr als nur Tauchen. Einerseits hatten wir einen „local guide“, wir erhielten super Reisetipps für Kolumbien, andererseits hatten wir mit den Leuten dort eine sehr schöne Zeit. Es entstand dank Reto eine richtige Deutsch-Schweizerische Community. Wir gingen gemeinsam mit anderen, welche bei Reto tauchten oder in der selben Unterkunft wohnten, Essen und machten zusammen ein BBQ mit frischem Thunfisch, den wir beim lokalen Fischer kauften. Für eine kurze Zeit hatten wir fast eine kleine Familie.

Von Taganga aus sind wir für 3 Tage nach Minca gefahren. Minca ist ein kleiner Ort auf einem Hügel oberhalb von Santa Marta, der zum entspannen einlädt. Auf Retos Tipp hin, suchten wir in Minca Oscars Place auf. Das war gar nicht so einfach. Man läuft vom Dorf aus ca. 15-20 Minuten durch Bambus -und Regenwald rauf und runter bis man schliesslich bei Oscar ankommt (also auf keinen Fall zu viel mitnehmen!). Der Aufwand lohnt sich aber ganz klar! Die Aussicht und die Abgeschiedenheit sind einfach atemberaubend schön (360° Panorama). Man hat einen fantastischen Blick auf Santa Marta und hat weit und breit keine Nachbarn. Oscar hatte zum Glück platz für uns. Er hat bei sich zu Hause einige Hängematten, ein Loft und ein Dormraum und ein Privathäuschen, welche er an Gäste vermietet. Wegen der atemberaubenden Aussicht entschieden wir uns in der Hängematte zu schlafen. Da es jedoch in der Nacht doch sehr kalt wurde und wir keinen Schlafsack hatten, wechselten wir dann für die zweite Nacht ins Loft. Oscar hat auch einen Koch, der fantastisches Frühstück und Abendessen zauberte. Das Essen wurde von Oscar und seinen Stories aufgeheitert (dazu zu Hause mehr). Oscar ist ein Kolumbianer, der jedoch in Los Angeles aufgewachsen ist und ein ziemlich kalifornisches Englisch spricht. Jeder der ihn sieht, würde dies aber auf keinen Fall erwarten. Er hat in Minca auf seinen 700 Ha Land sein Reich errichtet und baut dort seinen eigenen Kaffee und Honig an (und eventuell noch ein paar andere Kräuter :-) ). Oscar ist mit Sicherheit eine der speziellsten und interessantesten Persönlichkeiten die wir bis jetzt auf unserer Reise getroffen haben.

In Minca verbrachten wir die Tage mit Wanderungen zu abgelegenen Wasserfällen und Kaffeeplantagen und mit lesen und entspannen. Zurück in Taganga beendeten wir unseren Tauchkurs und machten die Tauchprüfung. Glücklicherweise haben wir bestanden und sind jetzt auch PADI OWD’s! Danke Reto für die Geduld und die Mühe, ich war wahrscheinlich eine der anstrengendsten Tauchschülern. Falls jemand beabsichtigt in Taganga tauchen zu gehen, unbedingt mit Reto! Nach rund 10 Tagen an der Karibikküste von Kolumbien mussten wir uns leider verabschieden um weiter nach Süden zu reisen. Von Barranquilla aus flogen wir nach Medellin. Medellin ist eine interessante kolumbianische Industriestadt. Medellin wurde bekannt durch den Drogenboss Pablo Escobar, welcher hier in den 80er Jahren das Medellin-Kartell führte und von da aus Drogen in die USA exportierte. Auf den ersten Blick hat Medellin nicht allzu viel zu bieten und ist laut Reiseführern auch ziemlich kriminell (gut, was ist das schon nicht in Südamerika?!). Doch auf den zweiten Blick ist Medellin durchaus interessant. Medellin ist wie auch La Paz in Bolivien in einem Bergkessel gelegen. Zum Beispiel führt nicht nur eine Metro durch die Stadt sondern auch eine Seilbahn. Mit der Seilbahn kann man auf einen der Berge fahren, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die Stadt hat. Und das coole daran für uns Backpacker ist, dass man mit nur einem Metro Ticket durch die ganze Stadt fahren und die Seilbahn benutzten kann. Fährt man mit der Seilbahn noch weiter aus der Gegend der Ghettos raus, kommt man in einen Nationalpark in dem man wandern, biken und die Ruhe von der Grossstadt geniessen kann. Das Zentrum von Medellin mit den vielen Leuten und den Marktverkäufern, die ihr Angebot durch Megaphone durch die Gegend schreien mag vielleicht für manch Einen etwas beängstigend sein. Trotzdem gibt es vieles zu sehen. Beeindruckend ist zum Beispiel der riesige Frucht- und Gemüsemarkt auf dem es Lebensmittel zu kaufen gibt, von denen wir noch nie gehört haben. Um einmal auf eine andere Art und Weise eine Stadt bzw. ein Land zu erkunden, haben wir uns für eine Exotic Fruit Tour angemeldet. In Kolumbien wachsen nämlich über 200 verschiedene Fruchtarten. Auf dieser Tour konnten wir 17 verschieden Früchte essen. Und wer jetzt denkt, toll das kann man zu Hause auch, der täuscht sich. Auch wir dachten, dass wir mit Sicherheit die meisten Früchte kennen. Von den 17 Früchten kannten wir jedoch gerade mal die Passionsfrucht und die Sternfrucht. Zwar konnten wir noch Tage danach Früchte nicht mehr sehen, aber die Tour war genial und wir würden sie jedem weiter empfehlen. Thomas hat dadurch seine neue Lieblingsfrucht, die „Guanabana“ kennengelernt, die von den Kolumbianern vor allem für Jugos (Säfte) verwendet wird. Ein weiterer interessanter Teil von Medellin ist der Gebrauchtwarenmarkt. Auf dem Gebrauchtwarenmarkt kann man alles kaufen: von gebrauchten WC’s, Waschbecken, Backöfen, Kochplatten, über Fahrräder, Werkzeuge, Fernseher, Computer, Ventilatoren bis hin zu Leiterplatten oder auch Arbeitsuniformen (bis auf die der Polizei) kann alles Second (-oder mehr) -hand gekauft werden. In einem Teil des Marktes wurden die Gegenstände gereinigt. Alles, auch Leiterplatten und Computer wurden mit Wasser und Seife geschruppt. Auch wenn die Utensilien nicht mehr funktionieren, sauber ist garantiert alles dort! Auch einen  Tiermarkt gibt es in Medellin, der jedoch nichts für Tierliebhaber ist. Kleine Hundewelpen werden in kleinen Käfigen gefangen gehalten, unzählige Hühner sind auf engstem Raum zusammengepfercht und Ziegen werden teilweise in Kartoffelsäcken gehalten. Je nach Lust und Laune der Händler verkaufen sie auch mal ein Lama oder ein Pferd.

In Medellin lernten wir dann auch noch eben diese eine nicht „nette“ Person kennen, wobei es sich um einen Taxifahrer handelt. Die Geschichte begann so, dass Rita ihren Fleece im Taxi vergass. Am nächsten Tag konnten wir durch das Hostel und die Taxifirma den Taxifahrer ausfindig machen. Dieser bestätigte zwar dass er den Fleece in seinem Auto gefunden habe, wollte ihn jedoch auch gegen Bezahlung nicht mehr zurückgeben. Dies war ziemlich ärgerlich, da wir dafür extra einen Tag länger in Medellin geblieben sind und weiter in die Bergregion bei Salento reisen wollten wo es doch ziemlich kühl werden kann.

Einen Tag später als geplant und ohne warmen Fleece im Gepäck fuhren wir dann mit dem Bus 7h südlich nach Salento. Salento ist ein kleines Ort in der Kaffeeregion von Kolumbien und sehr hübsch. Unser Hostel war eine Art Farm ca. 30 Gehminuten vom Dorf entfernt, das glücklicherweise auch per Jeep erreichbar war. Salento ist vor allem bekannt für die unzähligen Kaffeefarmen, welche weltweit Kaffee exportieren und für die hohen Wachspalmen. Von einem kleinen Dorf in der Nähe von Salento startet eine 6-7 Stündige Wanderung. Der Wanderweg führt durch Täler und Regenwald, vorbei an Flüssen und kleinen Wasserfällen und unzähligen Hängebrücken zu einem Reservoir mit Kolibris in allen Farben und Formen. Der Weg dort hin war ziemlich anstrengend, da er sehr steil, matschig und rutschig war. Für alle die beabsichtigen diese Wanderung zu machen, dringend gute Schuhe mitnehmen. Eine Französin in eleganten Stoffschühchen hatte etwas weniger Freude. Vom Reservoir aus geht der Weg dann wieder alles bergab, damit man am anderen Flussufer etwa drei Mal so steil alles wieder bergauf laufen konnte. Da es in der Zwischenzeit auch noch angefangen hatte zu regnen (wie übrigens jeden Tag zu dieser Zeit), waren wir ziemlich erledigt als wir oben ankamen. Der Aufwand hatte sich jedoch gelohnt, als wir einen Blick auf das Tal mit den beeindruckenden Wachspalmen werfen konnten. Zur Belohnung gab es dann im Dorf eine Trucha (Forelle), eine lokale Spezialität. In Salento besuchten wir noch eine Kaffeefarm, wo uns der Prozess vom Anbau bis zum fertigen Kaffee erklärt wurde und wir natürlich Kaffee probieren konnten. Für alle Kaffeeliebhaber können wir Kolumbien sehr empfehlen.

Nach einer knappen Woche mussten wir uns leider von Salento und somit auch von Kolumbien und Südamerika verabschieden. Da wir Kolumbien eher spontan besucht haben, hatten wir leider nicht genügend Zeit das gesamte Land zu bereisen. Wir sind total fasziniert und begeistert von Südamerika und trennen uns nur sehr ungern davon. Jedoch wissen wir jetzt wo unsere nächste Reise hingeht ;-) . Von Salento aus fuhren wir nach Armenia, von wo aus wir nach Bogota und schliesslich nach San José in Costa Rica weiterflogen.

BBQ_in_Minca

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