Nov 4, 2014 - Vietnam    2 Kommentare

Vietnam

…Wir hatten Glück! Das Guesthouse der alten Dame sah ziemlich sauber aus und auch der Preis war nach dem wir verhandelt hatten in Ordnung. Wir entschieden uns über Nacht dort zu bleiben und am nächsten Morgen früh den Minibus nach Sapa zu nehmen. Die Dame war sehr nett und zeigte uns ein Restaurant und den nächsten Geldautomaten. Als wir jedoch schlafen gehen wollten, hörten wir ständig ein nagendes Geräusch von irgendwo. So, als hätten wir eine Rattenfamilie im Raum. Thomas und ich hörten jede Wand ab und kamen zum Schluss, dass das Geräusch aus Thomas Bett kommen musste. Da aber die Matratze in Plastik eingepackt war, konnten wir ziemlich sicher ausschliessen, dass eine Ratte in der Matratze ist. Wir versuchten zu schlafen und das Geräusch so gut es ging zu ignorieren. Dies war jedoch unmöglich, da es so laut war. Also holten wir die Nichte der Besitzerin und ihren Mann, die beide schon im Pyjama waren. Zu viert lagen wir also bei uns im Zimmer auf dem Boden und hörten dem Geräusch zu. Ihnen wurde schnell klar, was das Problem ist, nur leider konnten sie nur Vietnamesisch und wir bis auf „Hallo“ überhaupt nichts. Also war Google mal wieder unsere letzte Rettung. Es waren Holzwürmer! Wer hätte gedacht, dass die so einen Lärm veranstalten können! Da wir uns bei dem Eifer, mit dem die Holzwürmer das Bett zu verschlingen schienen nicht sicher waren, ob am nächsten Morgen mehr als ein Sägemehlhaufen vom Bett übrig sein wird, schliefen wir vorsichtshalber zu zweit in meinem schmalen Bett.

Am nächsten Morgen nahmen wir den Minibus nach Sapa. Wir hatten schon Angst bevor wir überhaupt in den Bus eingestiegen waren, denn die Strasse nach Sapa, die sowieso schon katastrophal sein müsse in ihrem Normalzustand, ist wegen der Regenzeit total verschüttet. Aber irgendwie mussten wir schliesslich da hoch kommen. Zum Glück waren wir die ersten beim Bus, so dass wir vorne sitzen konnten, falls dieses Mal die thailändischen Reisekrankheitstabletten nicht wirken sollten. Doch sie wirkten zum Glück. Aber unseren Sitznachbarn ging es ziemlich elend. So elend, dass ca. nach 30 Minuten fahrt (von 10 Stunden) Thomas plötzlich ein Kind in der Hand hielt, weil die Mutter sich übergeben musste. Das Kind blieb dann auch die restlichen 9 Stunden bei uns. Also falls Fabienne irgendwann einen Personalengpass in ihrer Krippe haben sollte, wäre Thomas als Aushilfe bestens geeignet.

Ziemlich durchgeschüttelt und k.o. kamen wir schliesslich in Sapa an. Nur leider hatten wir mal wieder „vergessen“ ein Hotel zu reservieren, bzw. überhaupt eins auszusuchen. Zum Glück waren ja sehr gute Freunde von uns vor ca. zwei Jahren hier und haben uns die Topas Ecolodge, in Mitten der Reisfelder empfohlen. Wir machten uns also auf die Suche, nach dem Büro, das uns ein Zimmer dort und einen Transport dort hin (denn die Lodge liegt ca. 20km ausserhalb von Sapa) organisieren konnte. Wir hatten Erfolg und landeten ziemlich pünktlich auf das Abendessen in der Lodge. Der Aufwand hatte sich wirklich gelohnt. Die Lodge befindet sich Mitten in den Reisterrassen und die Bungalows haben direkten Blick über die fantastische Landschaft. Danke Fabienne und Jan für einen weiteren wirklich wertvollen Tipp! Hier in der friedlichen Landschaft fernab vom Massentourismus und dem Verkehrslärm (der in Vietnam sonst so ziemlich überall allgegenwertig ist) genossen wir drei fantastische Tage, bevor es mit dem Nachtzug weiter nach Hanoi ging. Der Nachtzug hat in Vietnam den Ruf, eine der angenehmsten Fortbewegungsmöglichkeiten zu sein, da so die vor allem in den Berggegenden ziemlich schlechten Strassen umgangen werden können. Also folgten wir dem Tipp und buchten den acht stündigen Nachtzug nach Hanoi. Nach nur ca. einer ½ Stunde Fahrt hielt der Zug jedoch an und dort blieben wir dann auch so ziemlich stehen für die nächsten acht Stunden. Der Vorteil war, dass wir ruhig schlafen konnte, da so der Zug nicht wackelte. Der Nachteil: die Durchsagen kamen nur in Vietnamesisch und es sprach auch niemand Englisch. So blieben wir für fast 16 Stunden im Ungewissen darüber, wieso dass unsere Zugfahrt 16 Stunden statt den eigentlichen 8 Stunden dauerte. Am Bahnhof in Hanoi fanden wir dann einen Vietnamesen, der Englisch sprach und der erklärte uns, dass der Zug vor uns entgleist sei und wieder aufgestellt werden musste.

In Hanoi suchten wir uns wieder ein Hotel, bevor wir die ziemlich lebhafte Stadt erkunden. Hier ist es niemals ruhig. Uns gefällt die Stadt aber, da sie sehr lebendig ist und es an jeden Ecken Street Food Stände und kleine lokale Baren und Restaurant gibt. Hanoi ist auch bekannt dafür, dass man in jeder Strasse etwas anderes kaufen kann. So zum Beispiel gibt es eine Kleberollenstrasse, eine Windelnstrasse oder eine Kaffeestrasse. Dort wird in allen Läden nur das verkauft. Nach langem Hin-und Her und abklappern von seriösen und unseriösen Anbietern von Touren zum Ha Long Bay, buchten wir schliesslich einen drei Tages Trip. Uns wurde gesagt, dass der Ha Long Bay sehr touristisch und überfüllt sei und deshalb empfahlen uns einige Reisende, stattdessen in den nördlicheren Bai Tu Long Bay zu gehen. Dieser soll genauso schön, aber frei von Touristenmassen sein. Da wir uns selber ein Urteil bilden wollten, buchten wir beides. Da es in der letzten Nacht stürmte und sehr stark regnete und deshalb mehrere Schiffe gesunken waren im Ha Long Bay, ging es zuerst mit einem kleinen Boot in den Bai Tu Long Bay. Von dort aus fuhren wir zu einer kleinen Fischerinsel, wo wir nach einer Velotour bei einer lokalen Fischerfamilie übernachten konnten. Dort lernten wir auch, wie man die unglaublich leckeren vietnamesischen Frühlingsrollen zubereitet. Die Landschaft im Bai Tu Long Bay ist unglaublich schön und ruhig. Neben einigen Fischerbooten waren wir das einzige Boot, das dort zwischen den vielen Limestone-Felsen hindurch kurvte. Vom Bai Tu Long Bay aus ging es dann weiter zum Ha Long Bay. Dort hatten wir eine Kabine auch einem eher kleineren Boot mit 14 Doppelkabinen gebucht. Wir stellten uns mental schon auf riesige Touristenmassen und besoffene Engländer ein. Doch als wir am Hafen von Ha Long Bay ankamen, waren wir doch ziemlich überrascht, als wir das Ort vollkommen leer und ausgestorben vorfanden. Im Hafen hatte es zwar unendlich viele Boote, die blieben jedoch alle im Hafen, da es weit und breit keine Touristen hatte. So staunten wir nicht schlecht, als wir die wundervolle Landschaft UND das ganze Boot für uns alleine hatten. Es war traumhaft, keine überfüllten Buchten, keine Partyboote und traumhaftes Wetter. Wir lieben die Regenzeit!

Die Tage im Ha Long Bay genossen wir mit Kayaking, schwimmen, und Squid fischen. Thomas fischte uns (leider nach dem Abendessen) ein paar Squids, die von dem Captain direkt in der Küche gedämpft und von uns allen zusammen verspiesen wurden. Lecker! Thomas hat sich riesig gefreut, dass er derjenige war, der die Squids gefischt hatte und nicht ich. Aber wer sich noch an den Amazonas Bericht erinnern mag, weiss noch ganz genau, dass ich diejenige war, die vor fast einem Jahr den Piranha gefischt hatte.

Zurück in Hanoi buchten wir erneut einen Nachtzug über Hue nach Da Nang. Von Dort aus ging es weiter nach Hoi An. Hoi An ist ein schönes aber touristisches Städtchen  an der Küste Vietnams und ist bekannt für die vielen Schneider. Natürlich wollten auch wir uns hier Anzüge schneidern lassen um unsere Karrieren in der Schweiz in schönen Kleidern in Angriff nehmen zu können. Auch hier haben uns Fabienne und Jan wieder einen wertvollen Tipp gegeben. Denn den richtigen Schneider zwischen mehr als 200 Schneiderläden auszusuchen ist nicht ganz einfach, vor allem in Vietnam nicht, wo man nicht genau weiss, wer seriös ist und wer nicht. So suchten wir einfach die Schneiderin auf, bei der Fabienne und Jan vor knapp zwei Jahren waren und hofften, dass es den Shop noch gibt.

Es gab ihn noch. Mittlerweile hatte Bich Lan über 70 Schneider unter sich, die einem jedes gewünschte Kleidungsstück innerhalb von 24h anfertigen. Und das perfekt! Zuerst kann man von einem riesigen Sortiment an Stoffen unterschiedlicher Herkunft und Qualität einen passenden aussuchen und dann in Modezeitschriften oder im Internet das gewünschte Kleidungsstück auswählen. Ein „geht nicht“ gibt’s nicht. So staunten wir nicht schlecht, als schon am nächsten Tag der fix fertige Anzug und die dazu passenden Hemden zum anprobieren fertig waren und schon perfekt sassen. Bich Lan nimmt es aber sehr genau und so wurden trotzdem noch ein paar Änderungen vorgenommen, so lange, bis auch sie zufrieden war. Wir kamen mit ihr ins Gespräch und verstanden uns so gut mit ihr, dass wir sogar fast kostenlos die nächsten Tage bei ihr schlafen konnten. Auch zum Mittagessen lud sie uns mehrmals ein. Wir durften nicht einmal bezahlen, weil sie so Freude hatte, dass wir mit ihr in vegetarische Restaurants gingen. Da es uns bei Bich Lan so gut gefiel und wir eine super Zeit mit ihr hatten, blieben wir länger als geplant und genossen die Zeit mit ihr. Am letzten Tag lud sie und zu einer Party bei Freunden ein. Da wir ihr sagten, dass wir gerne mitkochen würden, durften wir mit ihr auf den Markt und am Abend bei ihr im Laden kochen. Da sie wusste, dass wir frische Meeresfrüchte und Fleisch lieben, kauften wir auch das ein. Und obwohl Bich Lan schon ihr Leben lang Vegetarierin ist, konnte sie den Seafood grandios zubereiten. Mit dem Roller, brachten wir die Sachen zu ihren Freunden, die ein Pho (vietnamesische Nudelsuppe) Restaurant am Flussufer besitzen. Es war ein richtig fröhlicher Abend mit feinem Essen und Whiskey, viiiel Whiskey.

Als ob das alles nicht schon genug war, durften wir auch die ganze Zeit kostenlos die Roller ihrer Nichten oder ihre Fahrräder gebrauchen. Auch wenn Bich Lan unseren Blog, da er auf Deutsch ist leider nicht lesen kann, möchten wir ihr trotzdem nochmals herzlich danken und sie jedem weiterempfehlen, der eine Reise nach Vietnam plant. (B’Lan Silk, 23 Trần Phú, Hội An, Quảng Nam, Vietnam)

Irgendwann war dann aber leider die Zeit gekommen uns von Bich Lan und Hoi An zu verabschieden, da die Zeit langsam knapp wurde und wir noch vieles auf dem Reiseprogramm hatten. So ging es weiter nach Saigon, oder wie die Stadt heute genannt wird, Ho Chi Minh City. In Hoh Chi Minh City gibt es von Museen, über Tempel bis hin zu unendlich vielen Shoppingmöglichkeiten einfach alles. Wer allerdings den riesigen Central Market besuchen will, der braucht einige Nerven. Denn sobald an die Tür betreten hat und es wagt seine Augen auf einen der vielen Souvenierständen zu richten, kling es in etwa so: „Hello Lady/ Hello Sir, you buy chopsticks, you buy tea set, you buy placemat, you buy bowl, you buy…“ oder „I have different colour, I have different design, I have new one, usw..“. Das ganze können sie so schnell aufsagen, dass man nicht einmal mit den Augen nachkommt. So wird das Einkaufen eher ein bisschen zu einer Herausforderung als zu einem Vergnügen, da man eigentlich mehr damit beschäftig ist, die nervigen Stimmen der Händlerinnen und all die „Lady/Sir you buy something, it’s cheap!“ auszublenden, als dass man die teils sehr schönen Sachen an den Ständen begutachten kann. Wir machten uns einen Spass daraus, jeweils vor einen Stand zu stehen und die Verkäuferinnen zu testen. Wir redeten zum Beispiel über einen Teekrug und schauten in dessen Richtung. Unglaublich, aber es ging keine paar Sekunden und die Händlerinnen errieten spätestens beim zweiten Mal von welchem Gegenstand wir reden. Unheimlich!

Trotzdem kamen ziemlich viele Souvenier zusammen, die wir nach Hause verschiffen liessen. Die Frau auf der Post packte alles fein säuberlich in Packpapier ein und verstaute es in einer Schachtel. Die Schachtel wurde zum Schluss mit Klebeband eingewickelt. Für unsere Schachtel allein gingen sicher zwei Rollen Klebeband drauf. Aber zum Glück gibt es ja eine ganze Strasse, wo sich die Post mit neuen Kleberollen eindecken kann.

Von Ho Chi Minh aus ging es mit dem Bus weiter zum Grenzort Chau Doc. Dort verbrachten wir noch einen Tag auf dem lokalen Markt und probierten mal wieder alles was uns in die Quere kam. So kamen wir auch in den Genuss der ziemlich scharfen Crab-Soup mit festem Blut (wie Blutwurst) und Crabcake. War echt lecker, vor allem weil wir nicht wussten was es war!

Nach einem weiteren hervorragenden Essen in einem Seafood Restaurant und eine Fahrt mit einem Cyclo später, mussten wir uns mal wieder von einem Land und sehr netten Leuten verabschieden. Denn es ging weiter nach Kambodscha!

Bai_Tu_Long_Bay

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2 Kommentare

  • ganz hervorragend geschrieben. Und wie geht es weiter. Ich bin sooo gespannt!

  • mmhh chume grad wieder s’Reisefieber über!
    über s’Foti vo de Red Zao Fraue ohni Augebrau däfür mit Ohrering muss ich grad chli schmunzle=)

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