Nov 18, 2014 - Kambodscha    kein Kommentar

Kambodscha

Mit dem Schiff auf dem Mekong überquerten wir die Grenze zwischen Vietnam und Kambodscha und konnten so direkt bis in die Hauptstadt Phnom Penh fahren. Als erstes fiel uns dort die Stille auf. Kein Gehupe, weniger Menschen, einfach schön… Da es am Tag unserer Ankunft in Strömen regnete, fuhren wir mit dem Tuk Tuk zum Russian Market, wo wir uns nicht einen, nein zwei hölzerne Buddhas kauften. Im Hotel merkten wir dann, dass wir den doch sehr grossen Buddha die nächsten Wochen mittragen müssen und dass wir den Platz in unserem Gepäck doch ein wenig überschätzt hatten. Auf gut deutsch, wir bereuten den Kauf ziemlich schnell. Am nächsten Tag war es vorbei mit dem Regen und wir besuchten die Killing Fields der Khmer Rouge ausserhalb der Stadt. Für diejenigen, die nicht gerade vertraut sind mit der traurigen Geschichte Kambodschas, wollen wir hier noch kurz einen kleinen Abschnitt einfügen, damit das Folgende besser verstanden wird.

„Als Kambodscha im April 1975 durch die Folgen des Vietnamkrieges und der eigenen Bürgerkriege geschwächt war übernahmen die Khmer Rouge, die aus der kommunistischen Partei Kambodschas entstanden, die Führung. Das Ziel der Khmer Rouge war einen Agrarstaat und eine egalitäre Gesellschaft nach maoistischem Muster zu schaffen. Sie riefen das demokratische Kamputschea aus und ernannten Pol Pot zum neuen Ministerpräsidenten. Innert nur drei Tagen wurde die ganz Stadt Phnom Penh und Aussengebiete vollkommen entvölkert und die Menschen wurden aufs Land gebracht, um dort als Sklaven zu arbeiten. Das Jahr der Übernahme der Khmer Rouge wurde als Jahr 0 bezeichnet und das Land vollkommen von der Aussenwelt abgeschottet. Alle Menschen, die in den Augen der Khmer Rouge als gebildet galten, also zum Beispiel eine Brille trugen oder eine Fremdsprache sprachen, galten als Gefahr für das Regime und wurden hingerichtet. In den 3 Jahren der Herrschaft der Khmer Rouge, hatte Kambodscha zwischen 1.4 und 2.2 Millionen Opfer zu verzeichnen. Zum dortigen Zeitpunkt entsprach dies etwa einem Viertel der Landbevölkerung. Als sich die Khmer Rouge weiter ins Mekong Delta ausbreitete und hunderte von Vietnamesischen Zivilisten ihr Leben verloren, griff Vietnam im Dezember 1978 in das grauenhafte Geschehen der Khmer Rouge ein. Die Khmer Rouge flohen nach Westen.“

Zurück zu den Killing Fields. Auf den Killing Fields bei Phnom Penh, die heute so genannt werden, wurden zwischen 1975 und 1978, also in der Herrschaftszeit der Khmer Rouge mehr als 17’000 Männer, Frauen und Kinder brutal ermordet. Sie wurden aus dem Gefängnis in der Stadt, das früher eine Schule gewesen war, in Lastwagen hier her gebracht und mit allen möglichen Gegenständen erschlagen und teilweise noch lebendig in die riesigen Massengräber gestossen. Kugeln waren der Khmer Rouge zu teuer. Sterbliche Überreste von ca. 9’000 Opfern wurden 1980 ausgehoben und die Todesursache der Opfer wurde ermittelt. Bis heute sind jedoch 43 von 129 Massengräber unberührt und dies soll auch so bleiben.

Mit einer wirklich guten Audiotour kann man heute die Massengräber besuchen und den Toten die letzte Ehre erweisen. Das Gefühl, das man hat, wenn man an einem so schrecklichen Ort ist und daran erinnert wird, wie grauenhaft und erbarmungslos Menschen sein können und immer wieder sind, kann man nicht beschreiben. Aber es ist leider ein sehr trauriges Kapitel in der Geschichte Kambodschas und deshalb ist es unserer Meinung nach auch wichtig, dass man sich bei einer Reise nach Kambodscha nicht nur die schönen und wirklich beeindruckenden Tempel von Angkor anschaut, sondern sich auch mit der traurigen Realität des Landes befasst. Nach den Killing Fields besuchten wir noch das Tuol Sleng Museum. 1975 wurde die Tuol Svay Prey High School von Pol Pot’s Sicherheitskräften übernommen und in ein Gefängnis umgewandelt. Schnell wurde die ehemalige Schule zum landesweit grössten Folterzentrum. Hier wurden die Menschen gefangen gehalten und gefoltert, bis sie schliesslich zu den Killing Fields gebracht wurden. Die Khmer Rouge haben jeden einzelnen Gefängnisinsassen fotografiert und Buch über die Folterungen und Ermordungen geführt. Die Bilder der Gefangenen sind heute in den ehemaligen Klassenräumen, die in Gefängniszellen oder Folterkammern umfunktioniert wurden ausgestellt. Um unsere Stimmung wieder etwas aufzuheitern besuchten wir im Anschluss den Wat Phnom, einen Tempel auf dem einzigen Hügel der Stadt. Viele Leute kommen hier her um für Glück und Erfolg zu beten. Kambodschanische Kinder haben einen neuen Geschäftszweig für die Touristen entwickelt. Sie halten kleine Vögel in Käfigen. Wer will kann einen Vogel kaufen und diesen fliegen lassen, anscheinend bringt das Glück. Jedoch sind die Vögel so trainiert, dass sie wieder zu ihren Besitzern zurück fliegen. Keine schlechte Geschäftsidee.

Weiter ging das Sightseeing mit dem Königspalast. Wir entschieden uns einen Guide zu nehmen um etwas mehr über Kambodscha und den Palast zu erfahren. Unter Anderem hätten wir ohne den Guide wohl nie erfahren, dass es neben einem Haus für Tanzübungen, einem Festsaal und einem Ankleidehaus auch ein „auf die Elefanten Wartehaus“ gibt. Jawohl ihr habt richtig gelesen. Der König ging früher mit den Elefanten auf die Jagd. Heute hat er natürlich ein Auto mit Klimaanlage. Aber früher war das so. Und es ist ja klar, dass er vor der Jagd irgendwo warten musste, bis die Elefanten bereit gemacht waren für die Jagd. Also wurde extra ein Haus errichtet, das dem König eigens dazu diente vor der Jagd auf die Elefanten zu warten. Naja, wenn der Platz da ist! Weiter erfuhren wir, dass die Silberpagoda, die nach ihrem Boden benannt ist. Der Boden besteht aus 5000 Silberplatten, die je 1kg schwer sind.

Von Phnom Penh aus machten wir einen Ausflug zu einem Dorf, in dem Seide hergestellt und verarbeitet wird. Dort lernten wir, wie Seide entsteht und wie sie verarbeitet wird. Nun ist uns auch klar woher die enormen Preise kommen. Wer einmal einer Seidenweberin über die Schultern geschaut hat, der wird sich nie mehr über zu hohe Preise beklagen. Für uns war es auch super, dass wir uns dort mit weiteren Seidenschälen eindecken konnten und wir genau wussten das Geld geht an die Familie, welche die Seide von Anfang bis Ende herstellt und verarbeitet. Wenn man nicht gerade bei einer anerkannten Non-Profit Organisation einkauft, ist es eher schwierig zu wissen was man kauft und wer davon profitiert.

Von Phnom Penh aus ging es dann mit dem Minibus weiter nach Siem Reap. Wir waren etwas spät dran und hatten Glück noch zwei Plätze zu bekommen. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass es überhaupt kein Problem gewesen wäre, denn „ausgebucht“ gibt es in Kambodscha nicht. Wenn noch einer mitfahren will, muss ein Klappstuhl oder ein Sack Reis daher. So kann jeder mitfahren. Vollgeladen mit Gepäck, Reis und Menschen auf Klappstühlen, fuhren wir für die nächsten 7 Stunden die ziemlich holprige, hügelige und löchrige Strasse  nach Siem Reap. Wenn man die Kambodschaner zum Zustand der Strasse fragt, meinen sie: „ The Road is under construction!“. So kann man es natürlich auch sehen.

Neben uns sass ein alter Kambodschaner, der die ganze Fahrt mit Lauten wie: „Hoppala, Uiii, Ohhh lala, Hups, usw.“ kommentierte. Irgendwann im Laufe der Fahrt stellte sich heraus, dass er neben Ausdrücken wie Hoppala oder Ohlala auch fliessend französisch sprach. So kamen wir in den Genuss auf unserer Weltreise nicht nur unser Spanisch und Englisch, sondern auch unser Französisch etwas zu trainieren. In Siem Reap hatten wir Glück dank der Regensaison ein sehr gutes Hotel mit Pool zu einem sehr günstigen Preis zu finden. Die Tage in Siem Reap verbrachten wir, wie könnte es auch anders sein, mit der Besichtigung unzähliger Tempel. Man könnte meinen bei so vielen Tempeln auf einmal wird das irgendwann langweilig. Nein, wird es nicht. Jeder einzelne Tempel ist einzigartig und gleicht keinem zweiten. So verbrachten wir drei volle Tage mit der Erkundung der Tempel und reizten den Speicherplatz unseres Laptops mit noch mehr Fotos, noch mehr aus. Wer sich für die einzelnen Tempel und unsere Eindrücke zu den Tempeln im Detail interessiert, der darf dann gerne an einen Fotoabend kommen. Es wäre zu viel, hier alles zu den Tempeln zu schreiben. Natürlich ist der weltberühmte Angkor Wat sehr beeindruckend und einzigartig, jedoch muss man leider aber ein sehr gutes Timing und noch viel mehr Glück haben, dass man die Schönheit des Angkor Wat’s ohne Scharen von chinesischen Reisegruppen geniessen kann. Wir hatten mal wieder Glück, der Regenzeit sei dank. Jedoch gibt es Tempel die mindestens so schön und beeindruckend sind wie der Angkor Wat und  bei weitem nicht so viele chinesische Reisegruppen anziehen. Wir begnügten uns die ersten zwei Tage mit der Besichtigung anderer Tempel und behielten uns den Angkor Wat, den grössten und berühmtesten aller Tempel, für den Schluss auf. Einen weiteren Tempel den sicher einige von Bildern kennen, vor allem diejenigen die den Film Tomb Raider gesehen haben, ist der Ta Prohm. Nach einigen wunderschönen Tagen in Siem Reap und somit einem weiteren Highlight auf unserer Reise ging es mit dem Bus weiter nach Battambang. In Battambang befindet sich ein Station des Bamboo-Trains, der viele Touristen anlockt. Der Bamboo-Train, ist bis jetzt der einzige Zug in Kambodscha und die Bahnstrecke führt von Phnom Penh nach Battambang. Wer Lust hat kann hier eine ziemlich turbulente Fahrt auf dem Bamboo-Train unternehmen. Wer bereits im 14 km entfernten nächsten Ort aussteigt, wird von Scharen Kindern empfangen, die einem selbst geknüpfte Armbänder, aus Bananenblättern gebastelte Figuren oder ein Getränk verkaufen wollen. Auch wenn man den süssen Kinderaugen kaum widerstehen kann, wer den Kindern etwas abkauft, tut ihnen keinen Gefallen. Denn die Kinder gehen nicht zur Schule, sondern werden dazu gebraucht, Sachen zu verkaufen. Dies ist nicht überall in Kambodscha so. Zum Beispiel in den Tempel von Angkor, verkaufen auch teilweise Kinder zum Beispiel Postkarten um ihre Schule finanzieren zu können. Es ist schwierig zu wissen wem man jetzt etwas abkaufen darf oder wann es eher schadet.

Am letzten Abend in Battambang hatten wir noch das Vergnügen einen Kambodschanischen Zirkus zu besuchen. Der Zirkus wurde veranstaltet von der Kunsthochschule in Battambang und war wirklich sehr beeindruckend. Falls der Knie mal wieder Gastartisten suchen sollte, hätten wir ein paar gute Vorschläge. Die Zeit in Kambodscha lief wie in jedem anderen Land viel zu schnell ab und es ging schon wieder zurück nach Bangkok.

Auf dem Weg nach Kambodscha

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